| Kategorie: Fachtag

Um dies beantworten zu können, steht erst einmal die Frage nach dem eigentlichen Interesse der Verhaltensbiologie im Vordergrund. Von da aus können Berufsgruppen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen Informationen für ihren professionellen Alltag ableiten. Physiotherapeuten, Hebammen, Ärzte und pädagogische Fachkräfte (ErzieherInnen, Sozialarbeiter, Pädagogen) profitieren von Erkenntnissen der Verhaltensbiologie.

Was interessiert einen Verhaltensbiologen?

Verhaltensbiologen (Humanethologen) gehen der Frage nach, warum wir Erwachsenen und Kinder uns so verhalten, wie wir es tun und nicht etwa anders.

In diesem Zusammenhang bieten Aspekte der Evolutionsgeschichte interessante Informationen. Folglich interessiert Verhaltensbiologen vor allem die stammesgeschichtliche Entwicklung von bestimmten Verhaltensweisen: Welche Verhaltensweisen sind angeboren (vererbt)? Welche Muster wurden im Verlaufe der Kindheit und Jugend erlernt?

Im Rahmen kulturvergleichender Untersuchungen beobachten Verhaltensbiologen (Humanethologen) beispielsweise Kleinkinder. Unabhängig von kulturellen Einflüssen entdecken sie immer wieder neue Gemeinsamkeiten, die sogenannten Universalien. Aber auch Verhaltensbeobachtungen verschiedener Kulturen können wertvolle Erkenntnisse über die Ursprünge menschlichen Verhaltens bieten.

Auf den ersten Blick scheint es, die Verhaltensbiologie sei eine gar exotische Disziplin. Beim genauen Hinschauen wird jedoch schnell bewusst, dass Verhaltensbiologen mögliche Erklärungen für Eltern und Berufsgruppen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen liefern können. Nicht zuletzt bildet die Verhaltensbiologie DAS FUNDAMENT der universellen BINDUNGSTHEORIE. Ihr Begründer Bowlby griff vorrangig auf Erkenntnisse dieser Wissenschaft zurück.

Verhaltensbiologie um uns herum:
  • Getragene Kinder schreien weniger, als jene im Kinderwagen.
  • Patienten kurieren sich schneller, wenn sie in einem Zimmer inklusive Blick ins Grüne untergebracht sind.
  • Im Grunde genommen gehört unsere Spezi nicht zum Homo sapiens, sondern vielmehr zum Homo musicus. So gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass wir erst sangen, bevor wir die Sprache eroberten.
  • Gebärende Frauen mit einer eins-zu-eins Betreuung benötigen bedeutend weniger Schmerzmittel unter der Geburt.
  • Der Familienalltag fernab von Fernsehprogramm und sozialen Medien verläuft harmonischer, wenn die biologische Uhr aller Familienmitglieder laut ticken darf.

Und genau aus diesem Grund haben wir – das Netzwerk Abenteuer Familie – die Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel zum interdisziplinären Fachtag im Oktober 2017 eingeladen.

Sie haben Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns gern. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht. Auf unserer Seite www.physio-bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum geplanten Fachtag.

Sie kennen Personen und Fachkreise, die von dieser Thematik profitieren können? Über unsere Homepage gibt es auch die Möglichkeit diesen Newsletter zu abonnieren.

| Kategorie: Allgemein

Worum geht´s

Anfang des Jahres hat die Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Partei „Bündnis 90/ Die Grünen“ nach der Versorgung mit Heilmitteln in Deutschland in der Physiotherapie- Branche hohe Wellen geschlagen.

Die Fraktion der Grünen konstatierte:

„Aufgrund der demographischen Entwicklung steht unser Gesundheitssystem vor vielfältigen Herausforderungen….Dabei spielen die Heilmittelerbringer (Physiotherapeuten, Logopäden; Ergotherapeuten und Polologen- Anm. d. Redakteurs) eine wichtige Rolle. In den letzten Jahren haben…Heilmittelerbringer kritisiert, dass der Berufsstand ….aufgrund unverhältnismäßig geringer Einkünfte bei gleichzeitig steigenden Ausgaben, wie beispielsweise für die Ausbildung, Weiterbildung und Betriebsführung, bedroht ist. Das habe sich zuletzt auch auf die Ausbildungszahlen ausgewirkt.“

Die Grünen stellten Ende des Jahres 2015 dazu einen Fragenkatalog zusammen um unter anderem die wirtschaftliche Situation der Heilmittelerbringer zu ermitteln.

Status Quo

Die Ausgaben sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenkassen für Heilmittel (u.a. Physiotherapie) sind in den letzten 5 Jahren zweistellig gestiegen. Gleichzeitig stieg die Zahl der praktizierenden Physiotherapeuten, Masseure und medizinischen Bademeister um 20000 Tätige. Dies ist zum großen Teil der demographischen Entwicklung geschuldet: die Deutschen werden immer älter und benötigen immer mehr Physiotherapie.

Klingt im ersten Moment so, als ob die Profession des Physiotherapeuten eine zukunftsträchtige, sichere Berufswahl bietet. Warum lassen sich dann aber immer weniger junge Leute zu Physiotherapeuten ausbilden?

Die Vergütung

Der Gesetzgeber gibt jährlich eine Obergrenze für Vergütungserhöhungen bekannt, die die gesetzlichen Krankenkassen nicht überschreiten dürfen; diese orientiert sich an der Summe aller ausgezahlten Löhne in  Deutschland. Die Vergütung der Physiotherapeuten ist also per Gesetz gedeckelt.

Zwar wurde durch das Versorgungsstärkungsgesetz 2015 beschlossen, das das Vergütungsvolumen (5,69 Mrd € in 2015) neben den regulären jährlichen Anpassungen hinaus zusätzlich um geschätzte 70 bis 80 Mio.€ im Jahr steigen wird. Dies soll eine schrittweise Angleichung der Vergütungen für Heilmittel zwischen den Krankenkassen bis 2021 gewährleisten. Tatsache ist aber, das die Mehrausgaben lediglich die noch immer teilweise frappierenden Vergütungsunterschiede in Ost und West ausgleichen soll.

Wie ist das zu werten

Die Bundesregierung hat aufgrund statistischer Analysen einen durchschnittlichen Bruttojahresverdienst von Physiotherapeuten ermittelt, der eine angemessene Vergütung erscheinen lässt.

Tatsächlich sieht es aber ganz anders: Das Stellenportal Stepstone hat nun den Gehaltsreport 2016 herausgegeben. Es wurde durch eine Befragung von 50000 Fach- und Führungskräften ermittelt, dass selbst nach über zehnjähriger Berufserfahrung das von der Bundesregierung ermittelte Durchschnittseinkommen nicht erreicht wird.

Und nun?

Fakt ist: Die Anzahl der physiotherapeutischen Leistungen steigt; die Zahl der Auszubildenden sinkt. Klarer Grund dafür ist die finanzielle Unattraktivität. Denn in den letzten Jahren sind die Vergütungen nur moderat gestiegen (knapp über der Inflation), die Kosten aber stark. Die Personal-, Aus- und Weiterbildungs-, Betriebsführungskosten und, nicht zuletzt die Kosten durch den steigenden bürokratischen Aufwand können durch die Vergütungserhöhungen der gesetzlichen Kassen kaum kompensiert werden.

Die Ausbildungsstandards in der Physiotherapie steigen: seit Jahren kann man den Beruf auch in einem ausbildungsintegrierendem Studium erlernen. Die Physiotherapie entwickelt sich von einem Heil- Hilfsberuf hin zu einer eigenständigen Profession. Der sogenannte Direct Access, das heisst der ungehinderte Zugang des Patienten zum Physiotherapeuten ohne Umweg über den Arzt, wird angestrebt.

Eine angemessene physiotherapeutische Versorgung der Patient kann mittel- und langfristig nur über eine bessere Vergütung erfolgen.

 

Quellen: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/072/1807283.pdf

iww.de/…/interview-direktzugang-zum-physiotherapeuten-chancen-und-risiken-eines-neuen-versorgungsmodells-f60828

welt.de

 

 

 

 

 

 

 

| Kategorie: Therapien

Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems lagen mit 22,7 Prozent und über 3 Arbeitsunfähigkeitstagen pro ganzjährig Versichertem im Jahr 2014 wieder an der Spitze aller Krankheitsarten. Im Vorjahr entfielen leicht weniger Erkrankungstage auf diese Diagnose. Die psychische Erkrankungen verursachen mittlerweile bereits 16,6 Prozent des Krankenstandes. 2014 gab es aufgrund von psychischen Erkrankungen im Schnitt gut 2 Arbeitsunfähigkeitstage pro ganzjährig Versichertem. Krankheiten des Atmungssystems lagen mit einem Anteil von rund 14 Prozent hinsichtlich ihrer Bedeutung für den Krankenstand an dritter Stelle. Quelle: DAK- Gesundheit

TK-Infografik-Fehltage-aufgrund-von-Rueckenbeschwerden

In Mecklenburg-Vorpommern sind 2014 auf 100 Versicherte durchschnittlich 186 Fehltage wegen Kreuzschmerzen & Co gekommen, in Brandenburg 178 Fehltage. Dagegen gingen im Süden Deutschlands im Schnitt nur 112 Fehltage auf das Konto von Rückenbeschwerden. Der Bundesschnitt lag bei 143 Fehltagen je 100 Versicherte. Quelle: Techniker Krankenkasse

Quelle Beitragsbild: DAK Gesundheit

| Kategorie: Allgemein

Zusammen mit dem Fotografen Stefan Zimmer und Ihrer Hilfe unterstützen wir die Michaelschule am Dierkower Damm in Rostock.

Warum wir die Michaelschule unterstützen

Im Juli 2013 wurde die evangelische Grundschule vom Ministerium für Bildung, Wissenschaften und Kultur Mecklenburg-Vorpommern als neuer Bestandteil der Michaelschule genehmigt.
Mit dieser Neugründung wird ein Weg beschritten, der nach wie vor in unserer Zeit Seltenheitswert hat. Schüler mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam – ganz unabhängig von ihren individuellen Voraussetzungen.
Es wird Inklusion gelebt und die Schüler zeigen täglich, dass sie einander mit ihren Stärken und Schwächen annehmen, dass Sympathie und Empathie entscheiden und nicht ein möglicher Förderbedarf.
Seit dem Schuljahr 2015/16 hat die Grundschule ihren Standort am Dierkower Damm  – Grundlage für die geplante Erweiterung der Schule zur Integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.

Der Fotograf

In unseren Praxisräumen stellen wir Landschaftsaufnahmen von Stefan Zimmer aus. Herr Zimmer ist gebürtiger Mecklenburger und drückt die Liebe für seine Heimat durch wundervolle Fotografien aus. Er schafft es Stimmungen und Naturereignisse ohne aufwendige Nachbearbeitung bildlich festzuhalten. Dazu benutzt er sowohl den Effekt der Schwarz-Weiss- Fotografie als auch der Farb- Fotografie.

Ihre Unterstützung

Sie können Aufnahmen, gedruckt auf Hochglanz- Leinwand, bei uns erwerben. Von jedem gekauften Bild gehen 50 % des Erlöses an die Michaelschule. So kostet zum Beispiel eine Aufnahme in den Maßen 40 cm x 60 cm 30,00 €. 15,00 € gehen davon also an die Michaelschule.

Einen Link zur MIchaelschule finden Sie hier. Die Homepage von Herrn Zimmer finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Ihre Käufe.

Ihr Praxisteam

Die Informationen über die Michaelschule wurden der Homepage www. michelshof.de entnommen.

| Kategorie: Therapien

 

Bei akuten Rückenschmerzen zahlt sich eine frühzeitige Physiotherapie aus. Der Direktzugang zum Physiotherapeuten würde Kosten und Schmerzen ersparen.

Lumbale Rückenschmerzen (d. h. im Bereich der Lendenwirbel) sind nach wie vor einer der häufigsten Gründe, sich in eine medizinische Behandlung zu begeben. Die Kosten der Behandlungen explodieren, auch weil viele unnötige Maßnahmen durchgeführt werden. Neue Studien belegen: Bei akuten Rückenschmerzen können Patienten durch eine in den ersten zwei Wochen begonnene Physiotherapie am meisten profitieren. Dies ist besonders in der derzeitigen Diskussion um den Direktzugang zum Physiotherapeuten interessant: Denn mit dem so genannten Direct Access könnten Patienten schneller beim Physiotherapeuten behandelt werden, was überflüssige Schritte für Patienten und Kostenträger vermeidet.

Hintergrund

In Deutschland ist Rückenschmerz die häufigste Schmerzursache und die damit einhergehenden, jährlich zunehmenden direkten Krankheitskosten von mehr als 8,3 Mrd. Euro im Jahr sind gravierend (vgl. Wenig et al. 2009). Laut einer Forsa-Umfrage in Auftrag der Techniker Krankenkasse leiden fast zwei Drittel der Frauen und über die Hälfte der Männer häufig oder dauerhaft an Rückenschmerzen. Besonders alarmierend: Bei den 18- bis 25-jährigen jungen Erwachsenen sind es auch schon fast die Hälfte, die unter Schmerzen im Rücken leiden. Treten die Beschwerden erstmalig auf, lässt sich die Mehrheit innerhalb von zwei bis vier Wochen beseitigen. Bei einem Viertel der Betroffenen kommt es jedoch zu wiederkehrende Schmerzepisoden. Darüber werden Rückenschmerzen immer häufiger chronisch. (vgl. Childs et al. 2015).

Bildgebende Verfahren und Operationen oft unnötig

Internationale Leitlinien empfehlen bei akuten unspezifischen Rückenschmerzen, nicht verfrüht bildgebende Verfahren anzuwenden. Röntgen, CT oder MRT sind in diesem Zusammenhang zumeist weniger sinnvoll und bringen hohe volkswirtschaftliche Kosten mit sich (vgl. Jarvik et al. 2015). Darüber hinaus kann die frühe Anwendung bildgebender Verfahren den Patienten den Optimismus einer Heilung nehmen und das Vertrauen, selbst etwas bewirken zu können, empfindlich stören. Das begünstigt wiederum die Anwendung weiterer Folgeverfahren wie Operationen und damit auch das Risiko einer immensen Steigerung der Kosten (vgl. Childs et al. 2015). Laut der Techniker Krankenkasse (2015) werden in Deutschland zu häufig unnötige Rückenoperationen durchgeführt. So haben sich 85 Prozent der Rücken-Eingriffe nach einer Zweitmeinung als unnötig herausgestellt.

Frühe Überweisung zum Physiotherapeuten lohnt sich

Die von der Ärzteschaft herausgegebene Nationale Leitlinie Kreuzschmerz empfiehlt zwar derzeit noch bei akuten, unspezifischen Rückenschmerzen, Physiotherapie (Krankengymnastik) zunächst nicht zu verordnen. Eine aktuelle Studie von Childs et al. (2015) widerspricht allerdings dieser These und fordert eine Überprüfung dieser Empfehlung. Childs et al. fanden heraus: Menschen mit akuten, unspezifischen Rückenschmerzen, die spätestens nach 14 Tagen vom Physiotherapeuten behandelt wurden, verursachten im Durchschnitt 60 Prozent weniger Kosten, als Patienten, die erst später zum Therapeuten überwiesen wurden. Demnach mussten Patienten, die früh zum Physiotherapeuten konnten, signifikant seltener operiert, gespritzt oder mit bildgebenden Verfahren untersucht werden. In diesen frühen physiotherapeutischen Behandlungen wurde besonders das Erlernen von aktiven Verhaltensstrategien durch Anleitung und Coaching des Therapeuten in den Mittelpunkt gesetzt, bevor der Patient möglicherweise negative Überzeugungen und Erwartungen hinsichtlich seiner Beschwerden entwickelt.
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Der nächste Schritt: Ohne Rezept direkt zum Physiotherapeuten

Daher hat sich inzwischen bei verschiedenen Akteuren im Gesundheitssystem die Auffassung durchgesetzt, dass ein Direktzugang zum Physiotherapeuten, also ohne dass der Patient erst ein Rezept des Arztes einholen müsste, viele Vorteile bringt. Dabei geht es keineswegs darum, dass der Physiotherapeut den Arzt ersetzen sollte. Vielmehr wird die Aufgabenverteilung der Zukunft darauf ausgelegt sein, dass jeder medizinische Beruf seine Kompetenzen dort einsetzt, wo sie für den Patienten am meisten Sinn machen. Das heißt: Erkennt der Physiotherapeut bei einem Patienten, dass er weitere ärztliche Hilfe benötigt, schickt er ihn zum Arzt – und Ärzte überweisen bei entsprechender Indikation frühzeitig zum Physiotherapeuten. Nur sollten Patienten schon direkt den Physiotherapeuten aufsuchen dürfen, um ohne Verzögerung gegen Schmerzen vorgehen zu können. Dass eine größere Autonomie für Physiotherapeuten für alle Beteiligten von Vorteil ist, hat der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten IFK bereits in einem Modellvorhaben geprüft, das derzeit noch läuft und vor endgültigem Abschluss schon vielversprechende Ergebnisse in Aussicht stellt. Auch international belegt bereits eine Vielzahl von Studien die Vorteile eines Direktzugangs zum Physiotherapeuten (vgl. u. a. Ojha et al. 2014). Laut der Canadian Physiotherapy Association (2013) sind die größten Nutzen des Direktzugangs: Kostenreduzierung für das Gesundheitssystem, gesteigerte Patientenzufriedenheit, reduzierte Krankheitstage und Reduzierung des Chronifizierungsrisikos durch einen frühen Beginn der Physiotherapie.

Fazit

Bei akuten, unspezifischen Rückenschmerzen sind vorschnelle Röntgenuntersuchungen und Operationen häufig weniger zielführend. Vielmehr hat sich gezeigt, dass eine früh einsetzende Physiotherapie den Patienten mehr Motivation und Optimismus vermittelt und anleitet, selbst aktiv an der Heilung teilzuhaben. Aktuelle Untersuchungen haben gezeigt, dass die Behandlung durch den Physiotherapeuten zu signifikant weniger Operationen, Injektionen oder weiteren bildgebenden Verfahren führt. Dies legt zweifelsfrei nahe, dass der Direktzugang zum Physiotherapeuten aus Sicht von Patienten, Kostenträgern und der gesamten Volkswirtschaft ein geeignetes Instrument ist, um schneller mit der Therapie beginnen zu können und somit Schmerzen rascher zu lindern und weitere Kosten zu ersparen. Physiotherapeuten und Ärzte können somit zudem ihre Zusammenarbeit auf Augenhöhe stärken. Das würde den Patienten mehr dienen als ausschweifende Debatten über einen Ärztemangel.

Der Inhalt wurde aus einem Beitrag des Berufsverbandes der selbständigen Physiotherapeuten IFK e.V. vom 30.04.2015 entnommen

Copyright Bilder: physiowissen.de und Ärzteblatt.de

| Kategorie: Fachtag

Mit Freude können wir Ihnen mitteilen, dass wir das nächste Wochenende für Eltern, Fachkräfte und Interessierte für das Jahr 2017 bereits planen.
Am 13./14.10.2017 erwarten wir die Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel.
Selbstverständlich halten wir Sie über den aktuellen Stand der Planungen auf dem Laufenden.

 

| Kategorie: Kinderphysiotherapie

Der inklusive Gedanke begann in Deutschland quasi zu dem Zeitpunkt, an dem Kinder aller sozialen Schichten eine gemeinsame Erziehung genossen. Erstmalig wurde der Begriff Inklusion in den 70er Jahren zum Thema der (inter-)nationalen Fachwelt. Aktuell ist in fast allen Bundesländern eine flächendeckende Unterbringung von Kindern mit Behinderung in integrativen Einrichtungen (0-6 Jahre) möglich. 2006 waren es circa 76,8%. Dies bedeutet jedoch, dass zu diesem Zeitpunkt noch jedes vierte Kind in Sondereinrichtungen untergebracht war (5). Hierzulande stehen elementare Bildungseinrichtungen seit 2009 vor der Herausforderungen, die UN-Konvention umzusetzen (2).

„Inklusive Pädagogik sieht Kinder als Gleiche an hinsichtlich ihres Rechts auf Bildung sowie weiterer grundlegender Rechte.(…)Dabei geht es um die Anerkennung von Unterschieden im Hinblick auf Kultur, Identität, Leistungsstandards, Interessen, Erfahrungen, Geschlecht, sexuelle Orientierung und körperliche Fähigkeiten.“ (Karsten, 2012)

Nicht nur räumliches Zusammenbringen von Kindern mit verschiedenen Fähigkeiten, sondern vielmehr auch inhaltliches Vereinigen steht dabei auf der Tagesordnung. Schließlich sind die Bedürfnisse aller zu möglichst gleichen Teilen zu befriedigen. Die pädagogische Praxis zeigt jedoch, dass einer kompletten, flächendeckenden Inklusion gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Differenzierungen im Weg stehen (1). Aber genau an dieser Stelle ist der inklusive Gedanke in der Elementarpädagogik zu verankern. Schließlich beginnen sich hier die Generationen von morgen zu bilden. Wenn bereits Kleinkinder mit dem Gedanken von Normalität facettenreicher Lebensformen aufwachsen, kann es es gelingen, ein gesellschaftliches Umdenken ab den Kinderschuhen zu ermöglichen. Besonders im Kleinkindalter gehört es bei Kindern zum normalen Alltag, dass die Kinder ihrer Einrichtung (oder Gruppe) unterschiedliche Fähigkeiten haben und verschiedene Dinge noch zu erlernen sind (6). Gleichzeitig wird bewusst, dass Fachkräfte auch in all jenen Einrichtungen, welche sich nicht ausdrücklich dem inklusiven Schwerpunkt verschrieben haben, vor der täglichen Herausforderung stehen, pädagogische Aktivitäten für alle Kinder unabhängig ihrer sozialen, kulturellen oder sprachlichen Hintergründe zugänglich zu machen (6).

Folgende Schwerpunkte sind in inklusiven Einrichtungen von großer Bedeutung (vgl. 2, 3, 4, 6): 

Subjektive Sichtweisen: 
Reflexion eigener Einstellungen gegenüber Menschen mit verschiedenartigen Wesensmerkmalen (gleich, verschieden, heterogen)

Interaktion: 
gemeinsame Aktivitäten in der gleichaltrigen Gruppe, interdisziplinäre Kooperation der Fachkräfte

Integration: 
konzeptionelle und praktische Entwürfe benötigen eine konstante Überarbeitung aus Sicht von Menschen mit Behinderung.

Institution:
barrierefreie Grundvoraussetzungen, Elternarbeit, regionale Netzwerkarbeit

Gesellschaft: 
Öffentlichkeitsarbeit als Beitrag zur Integration aller Kinder, unabhängig ihrer sozialen, psychischen oder physischen Eigenschaften

Zu Gunsten aller Beteiligten muss den Verantwortlichen jedoch bewusst sein, dass es an dieser Stelle vor allem auch einem adäquaten Betreuungsschlüssel und barrierefreien Einrichtungen bedarf. Nicht zuletzt liegt ein wichtiger Fokus auf einer nachhaltigen und transparenten Elternarbeit. Nur wenn alle Beteiligten ein gemeinsames Konzept vertreten, kann inklusive Erziehung, Bildung und Betreuung gelingen. Der Index für Inklusion in Kindertageseinrichtungen hat sich hierbei als praktisches Instrument zur Bestimmung der jeweiligen inklusiven Qualität ewiesen (6).

„Wir müssen selbst die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.“ (Mahatma Gandhi in Karsten 2012)

Quellen:
(1) Ahrbeck, B.: Inklusion: Eine Kritik.Verlag W. Kohlhammer. C.H.:Stuttgart, 2014, 2. Auflage
(2) Albers, T.: Kinder mit Behinderungen in Krippe und Kita: Von der Integration zur Inklusion. In: Albers, T. et al. (Hrsg.): Vielfalt von Anfang an. Verlag Herder: Freiburg im Breisgau, 2012, S.51-57
(3) Förster, B.: Irgendwo zwischen Inklusion und Exklusion: Aspekte zur vorschulischen Bildung tauber und gehörloser Kinder In: Albers, T. et al. (Hrsg.): Vielfalt von Anfang an. Verlag Herder: Freiburg im Breisgau, 2012, S.176-184
(4) Karsten, M.E.: Mädchen und Jungen in Krippe und Kita. Inklusive Denk- und Handlungsmodelle. In: Albers, T. et al. (Hrsg.): Vielfalt von Anfang an. Verlag Herder: Freiburg im Breisgau, 2012, S.67-74
(5) Sarimski, K.: Behinderte Kinder in inklusiven Kintertagesstätten.Verlag W. Kohlhammer. C.H.:Stuttgart, 2012
(6) Seitz, S. & Finnern, N-K.: Inklusion in Kindertageseinrichtungen – eigentlich ganz normal. In: Albers, T. et al. (Hrsg.): Vielfalt von Anfang an. Verlag Herder: Freiburg im Breisgau, 2012, S.15-26

Autorin:
Noreen Naranjos Velazquez
Freie Pädagogin
www.continuum-evolution.eu

Titelbild:

Marian Indlekofer, Sozialverband VdK Bayern e. V.