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Die ersten sechs Lebensjahre eines Kindes sind geprägt durch eine Vielzahl an Entwicklungsaufgaben und unterschiedlichen Erfahrungen. Dabei folgt die kindliche Entwicklung keinem klar strukturierten Fahrplan, sondern experimentiert hier und da auf neuen Wegen. Tatsächlich zeigt sich dabei eine spannende Entwicklungsvielfalt bei Kindern. Diese wartet auf eine individuelle Beantwortung durch die Bezugspersonen.

Erziehung wird heute als zugewandt-kompetente Entwicklungsbegleitung verstanden. Moderne Erziehung fordert zum selbständigen Erkennen und Handeln auf, damit ein Kind zunehmend unterschiedliche Situationen selbst gestalten kann: „Nicht mit mir passiert etwas, sondern ich kann Einfluss nehmen, etwas bewirken und verändern.“

Jedem Kind stehen Entwicklungspotenziale zur Verfügung. Diese können sich durch anregende Impulse ihrer Bezugspersonen (Mama, Papa, Oma, Opa, …) und anderer Kinder weiterentwickeln als auch differenzieren.

Der Vortrag von Dr. Gabriele Haug-Schnabel stellt neueste Forschungsergebnisse für die Altersspanne von 0 bis 6 Jahren vor.

Mithilfe von Filmausschnitten und Verhaltensprotokollen werden typische Entwicklungsstationen illustriert, um eine lebendige Diskussion anzuregen. Das Netzwerk Abenteuer Familie lädt zu diesem Themenabend am 13.10.2017 recht herzlich in die Aula der Werkstattschule ein.

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Berta und Karel Bobath: eventuell ist das Bild urheberrechtlich geschützt

„Gemeinsam sind wir stark!“ Diesen Spruch kennt der eine oder andere aus sportlichen Wettkämpfen. In diesem Artikel beschreibt das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie, welche Rolle diese magischen Wörter beim Bobath Konzept spielen. Erfahren Sie hier, wie Netzwerkarbeit in der Praxis gelebt werden kann.

Unser Blogbeitrag im Januar beschäftigte sich mit Kooperation aus der Perspektive der Evolution. Diesen Monat machen wir einen gedanklichen Spaziergang durch den Alltag von Fachkräften, die auf Grundlage des Bobath Konzepts arbeiten.

Was ist das Bobath Konzept?

Das Bobath Konzept ist keine Technik. Damit ist es individuell bei Patienten unterschiedlichen Alters (ab dem Säuglingsalter) anwendbar. Therapeuten haben die Möglichkeit, ihre Patienten genau da abzuholen, wo sie bezüglich ihrer aktuellen Leistung gerade stehen.

Ein wesentliches Element des Bobath Konzeptes ist es, dass Therapieziele zum einen mit dem Patienten gemeinsam erstellt werden. Gleichzeitig erfolgt dies in Kooperation verschiedener Fachkräfte.

Eine Zusammenarbeit zwischen Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten ist sehr wichtig, da die zu behandelnden Erkrankungen neurologischer Natur sind. Darüber hinaus werden auch Angehörige in die Behandlungen mit einbezogen. Unter fachlicher Anleitung können sie beispielsweise typische Lagerungen nach Bobath einüben.

Netzwerkarbeit: Basis für Bobath Therapeuten

Während beispielsweise Netzwerke des präventiven Kinderschutzes noch heute versuchen, effektive Wege für einen gezielten interdisziplinären Austausch zu finden, ist genau diese Arbeitsweise in bestimmten Bereichen des Gesundheitswesens etabliert.

Es lohnt sich ein Blick über den Tellerrand der eigenen Fachpraxis. Im Fokus steht die Frage, wie gelingt das Bobath Konzept tatsächlich in der Praxis? Welche Möglichkeiten gibt es, damit ein kontinuierlicher Austausch zwischen Ärzten, Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten in der Praxis effizient umgesetzt werden kann?

Diesen und anderen Fragen können Sozialpädagogen, Hebammen, Erzieherinnen, Logopäden, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten beim Fachtag mit Dr. Gabriele Haug-Schnabel in Rostock nachgehen.

Im Oktober 2017 plant das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie einen interdisziplinären Fachtag mit der Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel. Hier treffen ErzieherInnen, Sozialpädagogen, Hebammen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Fachärzte der Pädiatrie aufeinander. Im gemeinsamen Dialog wird es möglich sein, neue Impulse für die alltägliche Beobachtung im eigenen Fachbereich mitzunehmen. Über www.physio-bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum interdisziplinären Fachtag 2017 in der Werkstattschule in Rostock (Nähe Südstadtklinikum). Voranmeldungen sind ab sofort möglich.

Quelle:

Das Bobath-Konzept-Deutschland: http://www.bobath-konzept-deutschland.de/. Zusammenschluss von vier interdisziplinären Verbänden, die sich mit der Umsetzung vom Bobath Konzept in Deutschland beschäftigen.

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Soziale Netzwerke – vor allem die virtuelle Art dieser – werden heute größer denn je geschrieben. Aber auch im beruflichen Feld gewinnen diese immer mehr an Bedeutung. Wir haben uns den Ursprung von Kooperationen näher angeschaut. Erfahren Sie hier, wie kooperatives Verhalten bereits bei unseren Vorfahren zum Einsatz kam und was wir noch heute davon nutzen können.

Quelle: shutterstock

Kooperation: erste Entdeckungen

Auf den ersten Blick schien es, dass Menschen nur dann kooperierten, wenn sie davon profitierten. Neben Beobachtungen führte beispielsweise eine Studie mit 12-jährigen Jungen eines Ferienlagers zur Entdeckung dieser Besonderheit.

Zu Beginn des Aufenthaltes bildeten die Jungen, welche sich vorher noch nie begegneten, wie von selbst kleine Gruppen. Danach befragten die Ferienlagerleiter und gleichzeitig Forscher jedes Ferienkind nach seinen Freunden.

Daraufhin bildeten die Forscher zwei Gruppen, achteten dabei darauf, dass immer genau jene Jungen in einem Team waren, die sich nicht angefreundet hatten. Bereits nach dem ersten Tag bildeten sich neue Freundschaften. Beim genauen Hinsehen bemerkten die Wissenschaftler, dass diese vorrangig auf nützlichen Kooperationen bestanden, denn innerhalb der Gruppe waren alle Mitglieder voneinander abhängig. Es mussten Zelte aufgebaut werden, ein paar waren für das Lagerfeuer und andere für die Zubereitung der Mahlzeiten verantwortlich*.

Soziale Attraktivität motiviert zu kooperativen Verhaltensweisen

Während ethologischer Feldforschungen beobachteten Forscher jedoch auch, dass es innerhalb von familiären oder freundschaftlichen Netzwerken Verhaltensweisen gibt, die sich nicht mithilfe von Eigennützigkeit erklären ließen.

Beispielsweise ist das gegenseitige Lausen bei Bewohnern Afrikas beobachtet worden. Neben der hygienischen Eigenschaft dient dieser Vorgang auch der sozialen Attraktivität. Dabei handelt es sich hierbei um angenehme Prozeduren, welche der Steigerung des psychischen Wohlbefindens dienten. In weiteren Untersuchungen konnte die soziale Attraktivität neben dem Eigennutz als Sinn für Kooperationen ebenso belegt werden**.

Kooperationen im Spiegel der Neuzeit

Was genau können wir nun selbst für unser tägliches Handeln dafür nutzen? Nehmen wir als Beispiel regionale Netzwerke unter Fachkräften aus dem sozialen und medizinischen Bereich. Unabhängig von der jeweiligen Qualifikation kann es sinnvoll sein, wenn sich beispielsweise Orthopäden und Physiotherapeuten, Hebammen und Kinderärzte beziehungsweise Physiotherapeuten und Erzieher untereinander austauschen. Warum?

Folgen wir den oben erläuterten Zusammenhängen, würde es einerseits um ein eigennütziges Verhalten handeln, denn eigenes Wissen wird durch Wissen des anderen erweitert. Für den Arzt, den Physiotherapeuten, die Hebamme und dem Erzieher kann dieses insofern nützlich sein, als dass das erhaltene, neue Wissen den beruflichen Alltag erleichtert.

Aber inwiefern hat die soziale Attraktivität hier ihre Hände mit im Spiel? Geht es zum Beispiel bei interdisziplinären Fachtagen nur um das „Wohlfühlen“ in der Gruppe? Ja, vielleicht. Aber im

Grunde genommen zeigt das Konzept der sozialen Attraktivität noch viel mehr. Nehmen beispielsweise Familien die Offenheit der Hebamme, des Arztes, der Logopädin, der Physiotherapeutin oder der Erzieherin bezüglich Argumente anderer Fachkräfte wahr, fühlen sie sich fachlich gut betreut. Dies bedeutet für jede einzelne Fachkraft, die mit dieser Familie arbeitet, dass die Motivation zm „Mitmachen“ steigt. Hierdurch erhöht sich im Idealfall der Therapieerfolg.

Letzteres ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Fachkräfte genau wissen, in welchem Kompetenzbereich sie tätig sind. Anstatt parallel oder gar gegeneinander zu arbeiten, verfolgen sie innerhalb ihres Aufgabenfeldes ein ganz bestimmtes Teilziel, um das große Gesamtziel der Betreuung von Familien zu erreichen.

Sie fragen sich nun, wo genau in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) diese beschriebenen Synergieeffekte durch Kooperationen entstehen können? Dann haben wir einen Veranstaltungshinweis für Sie:

Im Herbst 2017 plant das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie einen interdisziplinären Fachtag mit der Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel. Hier treffen ErzieherInnen, Sozialpädagogen, Hebammen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Fachärzte der Pädiatrie aufeinander. Im gemeinsamen Dialog wird es möglich sein, neue Impulse für die alltägliche Beobachtung im eigenen Fachbereich mitzunehmen. Über www.physio- bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum interdisziplinären Fachtag 2017 in der Werkstattschule in Rostock (Nähe Südstadtklinikum).

Quellen:
*In Anlehung an Eibl-Eibesfeldt, I. (1997). Krieg und Frieden: aus der Sicht der Verhaltensforschung (4., erw. Neuausgabe). Piper: München (S. 100ff.).
** Nähere Ausführungen hierzu siehe Medicus, , G. (2012). Was uns Menschen verbindet: Humanethologische Angebote zur Verständigung zwischen Leib- und Seelenwissenschaft. Verlag für Wissenschaft und Bildung: Berlin. (S. 103)

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Ein Teilbereich der Verhaltensbiologie beschäftigt sich mit den angeborenen Verhaltensweisen von Säuglingen beziehungsweise Kleinkindern. Im Folgenden stehen jedoch einmal die Erwachsenen selbst im Fokus der Aufmerksamkeit. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie in ganz bestimmten Situationen ein Verhalten zeigen, welches eigentlich dem modernen, rational denkenden Menschen widerspricht? Wir haben uns auf die Suche nach typischen Momenten im Alltag gemacht und sind fündig geworden.

Oh es riecht gut und der Rostocker Weihnachtsmarkt beginnt

Noch vor dem ersten Advent beginnen fleißige Hände mit dem Aufbau der festlich geschmückten Weihnachtsstände. Es wird nicht mehr lange dauern und die Menschenmenge drängt sich dicht an dicht über den Rostocker Weihnachtsmarkt 2016. Unter ihnen sind einige, die sich schon einmal ein wenig in weihnachtliche Stimmung versetzen wollen. Andere wiederum können es kaum erwarten, endlich wieder einmal einen herrlichen Weihnachtsapfel, gebrannte Mandeln, Glühwein oder heißen Sanddorn genießen zu können. Auch gibt es Menschen, die den Weihnachtsmarkt in Rostock besuchen, um hoffentlich noch Schnäppchen für den Gabentisch zu ergattern.

In den hiesigen Warenhäusern und Boutiquen Nähe Lange und Kröpeliner Straße befinden sich die beliebten Wühltische. Wer hätte gedacht, dass wir auch genau hier auf unsere archaischen Spuren der Menschheit stoßen? Hier geht es nicht unbedingt darum, der netten Dame neben uns Vortritt zu lassen. Nein, in dieser Situation ist sich oft jeder selbst der Nächste und versucht, so schnell wie möglich an das begehrte, preislich stark reduzierte Glanzstück zu kommen. Eine vielleicht noch unbekannte Energie erwacht in uns und greift noch vor allen anderen zu.

Unsere steinzeitlichen Eigenschaften werden an der Kasse schließlich dann doch noch in Schach gehalten. Würden wir unserem archaischen Wesen folgen, hieße es einfach nur „Vordrängeln und der Erste sein.“. Da wir in diesem Fall jedoch mit sozialen Restriktionen der anderen Käufer rechnen müssten, stellt sich ein Großteil der Menschen dann doch zähneknirschend an die ewig lange Schlange an.

So viel Heimlichkeit, in der Weihnachtszeit und im Internet

Nach dem Weihnachtsbummel durch die Rostocker Innenstadt geht es dann direkt über die Autobahn wieder nach Hause. Hier kollidieren erneut tief in uns steckende, uralte Eigenschaften. Sobald ein Auto auf der Überholspur zu langsam ist, fährt so manch ein Autofahrer dicht auf. Manchmal kommt zusätzlich die Lichthupe zum Einsatz.

Der rational denkende Mensch ist sich zwar dessen bewusst, dass es im Fall einer Bremsung des Vordermanns in diesem Fall zum tragischen Unfall kommen würde, aber aufgrund der anonymen Situation kommen doch eher archaische Verhaltensweisen zum Tragen.

Nach dem Weihnachtshopping geht es direkt zu Hause an den PC, denn schließlich warten noch attraktive Auktionen auf den kaufbegeisterten Kunden. Aufgrund der Anonymität wird im Rahmen dieser bei beliebten Auktionsplattformen auch alles getan, um die vermeintlichen Gegner zu überbieten*. Sobald der Artikel schließlich in unserem virtuellen Warenkorb ist, wählen wir schlussendlich jenen Zahlungsweg, der für uns am sichersten ist.

Glockenklang aus der Ferne, über uns leuchten Sterne …

… und auch bei ritualisierten Gesellschaftsspielen wie Mensch-ärgere-dich-nicht* oder Mau-Mau freuen wir uns, wenn der geliebte Partner oder die Oma „rausfliegt“, denn schließlich wollen wir gewinnen. Es ist, als würden archaische Eigenschaften teilweise unbewusst unser Leben begleiten. Sobald sie jedoch von uns ertappt werden, wagen wir manchmal doch ein Umdenken. „Man muss auch mal verlieren können!“, lehrt so manch ein Elternteil oder die Großeltern das Kind. Ist es wirklich so? Was wäre, wenn wir vermehrt Wert auf Gesellschaftsspiele legen, die das Gemeinsam-Erleben begleiten? Sobald die Adventszeit vor der Tür steht, besinnen wir uns auf das Gemeinsam-Machen. Warum fordern wir immer wieder soziale Kompetenz, wenn im Alltag immer wieder der „Rausschmeißer“ dabei ist?

Gemeinsam-Erleben bringt Sicherheit. Sicherheit gehört auch zu einem unserer archaischen Überreste. Sicherheit bietet nicht nur Familie. Auch Freunde oder Arbeitskollegen können zum Kreise der uns umgebenden Menschen gehören, die uns ein Gefühl von Sicherheit ermöglichen. In diesem Sinne wünscht das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie eine urtypische Advents- und Weihnachtszeit.

Für das kommende Jahr 2017 plant das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie einen interdisziplinären Fachtag und Elternabend mit der Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel. Hier treffen ErzieherInnen, Sozialpädagogen und Lehrer auf Berufsgruppen des Gesundheitsbereiches. Im gemeinsamen Dialog mit Hebammen, Physiotherapeuten und Ärzten wird es möglich sein, neue Impulse für die alltägliche Beobachtung in der eigenen Kindergruppe mitzunehmen. Über www.physio-bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum interdisziplinären Fachtag 2017 als auch zum Elterntag in der Rostocker Werkstattschule (Nähe Südstadtklinikum).

 

*Quelle:

Als gedankliche Anregung für diesen Artikel diente das Buch „Der genetische Notenschlüssel – Warum Musik zum Menschsein gehört“ von Christian Lehmann, vor allem Seite 215-234. Das Werk erschien 2010 in der Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH (München).

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Die Modellstudiengänge der Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und der Hebammen werden „nur“ weitere 4 Jahre verlängert, anstatt 10 Jahre.
So heisst es aus dem Beschluss des Bundesrates vom 14.10.2017: „Der Bericht der Bundesregierung, der die Evaluationen von 25 Modellstudien- gängen zusammenfasst, kommt übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass es dauerhaft wünschenswert und machbar ist, primärqualifizierende Studiengänge für die vier beteiligten Berufsgruppen einzurichten.“
Bis jetzt wird ein Studium durch das Modellvorhaben in den Gesundheitsfachberufen an Hochschulen mit sehr hinderlichen und qualitätsmindernden Einschränkungen durchgeführt.
Die Begrenzung der Verlängerung des Modellvorhabens bis 2021 ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und ein gutes Zeichen, das die Berufe der Physio- und Ergotherapie, der Logopädie und Hebammen den längst überfälligen akademischen Status erhalten.
Nähere Infos lesen sie hier
Bildquelle:© Janine Bergmann/Fotolia

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Netzwerk Abenteuer Familie Fachtag 2017

Interdisziplinärer Fachtag mit Frau Dr. Haug- Schnabel

In der Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft stehen vor allem pädagogische und psychologische Konzepte im Vordergrund. Begriff wie Bindungstheorie, Lerntheorie oder Eingewöhnungsmodelle fallen oftmals auch. Wir verraten in diesem Beitrag, warum sich zudem ein Blick zur Verhaltensbiologie die pädagogische Praxis bereichern kann.

Ein veraltetes Menschenbild ging davon aus, dass Kinder als tabula rasa (leere Tafel) auf die Welt kommen und quasi uneingeschränkt von Erwachsenen beschrieben beziehungsweise geformt werden können. Es wurde vermutet, dass vor allem Säuglinge und Kleinkinder die eigene Stimmung mithilfe des Weinens äußerten.

Andere Hinweise geben verhaltensbiologische Beobachtungen. Im Rahmen kulturvergleichender Untersuchungen konnten Verhaltensbiologen (Humanethologen) zeigen, dass bereits Neugeborene über eine Reihe von Universalien verfügen. Universalien sind allgemeingültige Regeln, welche sich durch die stammesgeschichtliche Anpassung des Menschen schrittweise entwickelten. Säuglinge reagieren beispielsweise auf süß, sauer oder bitter weltweit alle mit einer typischen Mimik, die uns als Beobachter verrät, ob es schmeckt oder nicht. Auch Freude, Ärger oder Kummer wird von allen Völkern der Erde mit ganz typischen, mimischen Ausdrucksweisen vermittelt.

Säuglinge und Kleinkinder sind demnach keine Wesen, die lediglich weinen, wenn sie sich unwohl fühlen. Vielmehr sind sie in der Lage, ihre Wahrnehmungen differenzierter wiederzugeben. Es liegt nun an den Erwachsenen, genau diese unterschiedlichen Verhaltensweisen zu verstehen.

Verhaltensbiologen können Erzieherinnen und Erziehern praktische Anregungen zur gezielten Beobachtung von (Klein-)Kindern mit auf den Weg geben. Diese ermöglichen es, den pädagogischen Alltag vielleicht anders zu reflektieren und vor allem auch soziale Kommunikationsstrategien in der Kindergruppe intensiver zu fördern.

Für den kommenden Oktober 2017 plant das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie einen interdisziplinären Fachtag mit der Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel. Hier treffen ErzieherInnen, Sozialpädagogen und Lehrer auf Berufsgruppen des Gesundheitsbereiches. Im gemeinsamen Dialog mit Hebammen, Physiotherapeuten und Ärzten wird es möglich sein, neue Impulse für die alltägliche Beobachtung in der eigenen Kindergruppe mitzunehmen. Über www.physio-bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum interdisziplinären Fachtag 2017 in der Rostocker Werkstattschule (Nähe Südstadtklinikum).

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Dr. Haug Schnabel Fachtag 2017

Nach wochenlanger Aufregung war es endlich so weit: die Familie macht sich gemeinsam mit ihrem noch Vorschulkind auf den Weg zur Einschulung. Für die Eltern ist klar: Wenn heute Abend alle wieder nach Hause kommen, ist das Vorschulkind plötzlich ein Erstklässer. Was genau geht aber im Kopf des Kindes vor? Warum fühlt es einerseits die Last der Zuckertüte, während es jedoch andererseits noch zu verspielt ist, um mit vermeintlich komplizierten Sätzen wie: „Jetzt geht der Ernst des Lebens los. Am Montag beginnt die Schule!“ umzugehen? Dieser Beitrag wagt einen Blick aus Kindersicht, denn kein Bildungsplan der Welt kann die sozialen Highlights der ersten Schultage jemals ersetzen.

Schulstart: Aufbau neuer Netzwerke statt ABC

Abhängig von der Lage einer Schule kennen sich die Erstklässler manchmal bereits. Vielleicht waren sie gemeinsam in der Kita oder sind Nachbarn. Andererseits gibt es zudem Schulen, die ein sehr großes Einzugsgebiet haben. Oftmals kennen sich die Kinder hier noch nicht. Betrachten wir nun die Situation, dass sich einige Kinder schon lange kennen. Beim Spielen waren die Regeln klar verteilt. Die Großen machten die Ansagen. Die mittleren hatten noch die Möglichkeit, eventuelle Vorschläge mit einfließen zu lassen. Aber die jüngsten Kinder stellten den untersten Teil des Sandwichs dar und zogen einfach mit.

Nun kommen die großen Kinder gemeinsam in einen neuen Klassenverband. Mit ziemlicher Sicherheit befindet sich die ehemalige Einheit unter mindestens zehn neuen, noch unbekannten Kindern. Jedes einzelne dieser hat bis jetzt nach anderen Spielregeln gespielt, da letztendlich in jedem „Dorf“ (Kindergruppe) andere Normen und Grundsätze herrschen.

Zugunsten eines möglichen Zusammenspiels liegt der Schwerpunkt der ersten Wochen auf der Neukonstellation der sozialen Netzwerke innerhalb des Klassenverbandes. Spielregeln müssen neu verteilt werden und neue Grenzen entstehen. Dies geschieht im Übrigen auf ähnlichem Weg in gemischtaltrigen Klassenverbänden.

Schlussendlich scheint es, dass zwar während der ersten Tage und Wochen auch ein bisschen geschrieben und gerechnet wird, doch der für die Kinder wichtigere Schwerpunkt liegt im sozialen Miteinander: Was spielen wir in der nächsten Pause? Vielleicht darf ich mal der Chef sein? Hoffentlich sind nicht wieder die Jungen alle auf dem Klettergerüst, wir Mädchen wollen auch mal allein da sein.

Was lehren die ersten Schultage wirklich?

Bereits vor dem Betreten des Schulgebäudes sind bei jeder Institution Unterschiede erkennbar. In manchen Schulen begleiten die Eltern ihren Nachwuchs fast bis zum Platz. Bei anderen wiederum betritt auch der Erstklässler das große Gebäude selbst auf der Suche nach seinem Klassenraum,

während in anderen Einrichtungen jede Lehrerin ihre Klassen gespannt vor der Schule erwartet. Ebenso unterschiedlich sind nicht nur die Methoden, sondern vielmehr die Unterrichts- und Kursschwerpunkte der ersten Wochen.

Wenn der Fokus auf einem Aufbau der Kindernetzwerke liegt, werden aus kindlicher Sicht mit großer Wahrscheinlichkeit jene Konzepte und pädagogischen Ideen punkten, die Freiraum für selbstständiges Entdecken lassen. Zudem ist anzunehmen, dass es hilfreich ist, wenn feste Ansprechpartner – Lehrer, Stammgruppenleiter, Horterzieher – stets zuverlässig in Reichweite sind.

Diese Personen dienen als sicheres Ufer für die benötigte Sicherheit in den ersten Tagen. Manchmal genügt es dabei bereits, wenn die neuen Beziehungspartner in Sichtweite sind.

Bekannt sind diese Ideen aus Eingewöhnungskonzepten in Kitas. Schließlich lässt es sich doch einem sicheren und geschützten Ambiente der sozialen Netzwerke am besten Lernen. Werden soziale Beziehungen jedoch von außen vorgegeben und zugunsten der Wissensgesellschaft als nebensächlich betrachtet, besteht die Gefahr, dass die ersten Schultage nicht lehren, sondern hoffnungsvolle Entdeckungskisten eher leeren.

Wie können Eltern die ersten Schulwochen begleiten?

Gerade während der ersten Wochen empfiehlt es sich, vielleicht doch noch mal einen Gang zurückzuschalten. Vielleicht verspüren die Kinder ein inniges Bedürfnis, über ihre neuen Erfahrungen mit bereits bekannten Kindern oder neuen Bekannten zu berichten. Eventuell wollen sie einfach nur Kuscheln oder gar ausgelassen in gewohnter Umgebung toben.

Ich selbst habe den Test gewagt. Anstatt nach dem neu Erlernten zu fragen, haben sich mit Bausteinen oder Matsch experimentierend kleine Mama-Tochter-Gespräche entwickelt. Die Gespräche umfassten Themen wie neue Freunde, neue Spiele, auch Ängste zu neuen Kinderbekanntschaften oder Erfahrungen. Aber genau darum geht es doch: Wir als Eltern bekommen auch in diesem neuen Kindernetzwerk plötzlich eine etwas andere, externe Rolle als Ansprechpartner zugeschrieben. Es liegt nun an uns Erwachsenen, diese auch zu erkennen beziehungsweise anzunehmen.

Als ich meine Tochter nach dem ersten Schultag abholte, berichtete sie mir voller Begeisterung, dass sie mit ihren neuen Freunden Frösche gesucht hat … Schön, genau dies ist doch die Basis für selbst motiviertes Lernen, oder? Was könnte der erste Schultag Besseres lehren?

Gemeinsam mit der Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel werden wir – das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie – im Oktober 2017 einen thematischen Elternabend zum Thema Familie und Kinderwelten anbieten. Nähere Informationen sind auf der Website www.physio-bastian.de/fachtag erhältlich.

Noreen Naranjos Velazquez

Freie Pädagogin im Netzwerk Abenteuer Familie

| Kategorie: Fachtag

In Deutschland gebären Frauen durchschnittlich 1,6 Kinder. Damit gehören die wunderbaren Naturphänomene Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett nicht mehr zum Alltag der heutigen Zeit. Sie haben eine Sonderposition eingenommen.

Hebammen begleiten Frauen und Familien in dieser besonderen Lebensphase. Bereits in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt werden Eltern und Familien von immer wieder neuen Fragezeichen begleitet. Das Neugeborene äußert sich auf seine eigene Weise. Die kindliche Kommunikation scheint andere Wege zu gehen. Die Nacht wird oft zum Tag und die guten Vorsätze, das Baby im eigenen Bettchen schlafen zu lassen oder nach festen Zeiplänen zu stillen, entpuppen sich als alltagsuntauglich. Hebammen stehen Eltern hierbei beratend zur Seite.

Verhaltensbiologische Erkenntnisse untermauern genau diese Gespräche, denn die jungen Erdenbürger bringen ein großes Gepäck an stammesgeschichtlicher Geschichte mit sich. So besitzen sie beispielsweise ein großes Potpurri an Verhaltensweisen, welche auf nonverbale Weise eigene Bedürfnisse kommuniziert. Im Gegensatz zu traditionellen Gesellschaften schreien in westlichen Kulturen durchschnittlich 20% aller Säuglinge exzessiv, dies bedeutet nach Joachim Bensel(1) „überdurchschnittlich häufiges Quengeln und Schreien“.

Gemeinsam mit Gabriele Haug-Schnabel hat der Verhaltensbiologie hierzu verschiedene Fachartikel veröffentlicht, welche sich mit den Unterschieden von westlichen (unseren) Betreuungspraktiken mit denen von traditionellen Gesellschaften auseinandersetzen. Beide Verhaltensbiologen unterstreichen, dass beispielsweise folgende Aspekte in westlichen Kulturen des Öfteren in Vergessenheit geraten:

  1. Säuglinge sind Traglinge
  2. Babys benötigen die unmittelbare Nähe von Bezugspersonen
  3. Übergangsrituale erleichtern frischgebackenen Eltern das Elternsein

Verhaltensbiologen können in diesem Sinne die Arbeit von Hebammen mit wissenschaftlich fundierten Argumenten bereichern. Im Herbst 2017 ist es soweit: Die Verhaltensbiologin und Ethnologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel kommt nach Rostock. Fachkräfte des Sozial- und Gesundheitswesens haben die Möglichkeit, am interdisziplinären Fachtag 2017 teilzunehmen. Für (werdende) Eltern, Familien und Interessenten bereitet das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie einen Familienabend vor. Im Oktober 2017 referiert Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel in Rostock. Weitere Informationen erhalten Sie über www.physio-bastian.de/fachtag
Quelle Text :
(1)Bensel, J. (2003). Frühe Säuglingsunruhe: Einfluss westlicher Betreuungspraktiken und Effekte auf Aktivitätsmuster und biologischen Rhythmus, Berlin: Verlag für Wissenschaft und Bildung.

Bild:Dr. Joachim Bensel, lernwelt.at

| Kategorie: Fachtag

Um dies beantworten zu können, steht erst einmal die Frage nach dem eigentlichen Interesse der Verhaltensbiologie im Vordergrund. Von da aus können Berufsgruppen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen Informationen für ihren professionellen Alltag ableiten. Physiotherapeuten, Hebammen, Ärzte und pädagogische Fachkräfte (ErzieherInnen, Sozialarbeiter, Pädagogen) profitieren von Erkenntnissen der Verhaltensbiologie.

Was interessiert einen Verhaltensbiologen?

Verhaltensbiologen (Humanethologen) gehen der Frage nach, warum wir Erwachsenen und Kinder uns so verhalten, wie wir es tun und nicht etwa anders.

In diesem Zusammenhang bieten Aspekte der Evolutionsgeschichte interessante Informationen. Folglich interessiert Verhaltensbiologen vor allem die stammesgeschichtliche Entwicklung von bestimmten Verhaltensweisen: Welche Verhaltensweisen sind angeboren (vererbt)? Welche Muster wurden im Verlaufe der Kindheit und Jugend erlernt?

Im Rahmen kulturvergleichender Untersuchungen beobachten Verhaltensbiologen (Humanethologen) beispielsweise Kleinkinder. Unabhängig von kulturellen Einflüssen entdecken sie immer wieder neue Gemeinsamkeiten, die sogenannten Universalien. Aber auch Verhaltensbeobachtungen verschiedener Kulturen können wertvolle Erkenntnisse über die Ursprünge menschlichen Verhaltens bieten.

Auf den ersten Blick scheint es, die Verhaltensbiologie sei eine gar exotische Disziplin. Beim genauen Hinschauen wird jedoch schnell bewusst, dass Verhaltensbiologen mögliche Erklärungen für Eltern und Berufsgruppen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen liefern können. Nicht zuletzt bildet die Verhaltensbiologie DAS FUNDAMENT der universellen BINDUNGSTHEORIE. Ihr Begründer Bowlby griff vorrangig auf Erkenntnisse dieser Wissenschaft zurück.

Verhaltensbiologie um uns herum:
  • Getragene Kinder schreien weniger, als jene im Kinderwagen.
  • Patienten kurieren sich schneller, wenn sie in einem Zimmer inklusive Blick ins Grüne untergebracht sind.
  • Im Grunde genommen gehört unsere Spezi nicht zum Homo sapiens, sondern vielmehr zum Homo musicus. So gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass wir erst sangen, bevor wir die Sprache eroberten.
  • Gebärende Frauen mit einer eins-zu-eins Betreuung benötigen bedeutend weniger Schmerzmittel unter der Geburt.
  • Der Familienalltag fernab von Fernsehprogramm und sozialen Medien verläuft harmonischer, wenn die biologische Uhr aller Familienmitglieder laut ticken darf.

Und genau aus diesem Grund haben wir – das Netzwerk Abenteuer Familie – die Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel zum interdisziplinären Fachtag im Oktober 2017 eingeladen.

Sie haben Fragen oder Anregungen? Kontaktieren Sie uns gern. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht. Auf unserer Seite www.physio-bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum geplanten Fachtag.

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