| Kategorie: Fachtag

Soziale Netzwerke – vor allem die virtuelle Art dieser – werden heute größer denn je geschrieben. Aber auch im beruflichen Feld gewinnen diese immer mehr an Bedeutung. Wir haben uns den Ursprung von Kooperationen näher angeschaut. Erfahren Sie hier, wie kooperatives Verhalten bereits bei unseren Vorfahren zum Einsatz kam und was wir noch heute davon nutzen können.

Quelle: shutterstock

Kooperation: erste Entdeckungen

Auf den ersten Blick schien es, dass Menschen nur dann kooperierten, wenn sie davon profitierten. Neben Beobachtungen führte beispielsweise eine Studie mit 12-jährigen Jungen eines Ferienlagers zur Entdeckung dieser Besonderheit.

Zu Beginn des Aufenthaltes bildeten die Jungen, welche sich vorher noch nie begegneten, wie von selbst kleine Gruppen. Danach befragten die Ferienlagerleiter und gleichzeitig Forscher jedes Ferienkind nach seinen Freunden.

Daraufhin bildeten die Forscher zwei Gruppen, achteten dabei darauf, dass immer genau jene Jungen in einem Team waren, die sich nicht angefreundet hatten. Bereits nach dem ersten Tag bildeten sich neue Freundschaften. Beim genauen Hinsehen bemerkten die Wissenschaftler, dass diese vorrangig auf nützlichen Kooperationen bestanden, denn innerhalb der Gruppe waren alle Mitglieder voneinander abhängig. Es mussten Zelte aufgebaut werden, ein paar waren für das Lagerfeuer und andere für die Zubereitung der Mahlzeiten verantwortlich*.

Soziale Attraktivität motiviert zu kooperativen Verhaltensweisen

Während ethologischer Feldforschungen beobachteten Forscher jedoch auch, dass es innerhalb von familiären oder freundschaftlichen Netzwerken Verhaltensweisen gibt, die sich nicht mithilfe von Eigennützigkeit erklären ließen.

Beispielsweise ist das gegenseitige Lausen bei Bewohnern Afrikas beobachtet worden. Neben der hygienischen Eigenschaft dient dieser Vorgang auch der sozialen Attraktivität. Dabei handelt es sich hierbei um angenehme Prozeduren, welche der Steigerung des psychischen Wohlbefindens dienten. In weiteren Untersuchungen konnte die soziale Attraktivität neben dem Eigennutz als Sinn für Kooperationen ebenso belegt werden**.

Kooperationen im Spiegel der Neuzeit

Was genau können wir nun selbst für unser tägliches Handeln dafür nutzen? Nehmen wir als Beispiel regionale Netzwerke unter Fachkräften aus dem sozialen und medizinischen Bereich. Unabhängig von der jeweiligen Qualifikation kann es sinnvoll sein, wenn sich beispielsweise Orthopäden und Physiotherapeuten, Hebammen und Kinderärzte beziehungsweise Physiotherapeuten und Erzieher untereinander austauschen. Warum?

Folgen wir den oben erläuterten Zusammenhängen, würde es einerseits um ein eigennütziges Verhalten handeln, denn eigenes Wissen wird durch Wissen des anderen erweitert. Für den Arzt, den Physiotherapeuten, die Hebamme und dem Erzieher kann dieses insofern nützlich sein, als dass das erhaltene, neue Wissen den beruflichen Alltag erleichtert.

Aber inwiefern hat die soziale Attraktivität hier ihre Hände mit im Spiel? Geht es zum Beispiel bei interdisziplinären Fachtagen nur um das „Wohlfühlen“ in der Gruppe? Ja, vielleicht. Aber im

Grunde genommen zeigt das Konzept der sozialen Attraktivität noch viel mehr. Nehmen beispielsweise Familien die Offenheit der Hebamme, des Arztes, der Logopädin, der Physiotherapeutin oder der Erzieherin bezüglich Argumente anderer Fachkräfte wahr, fühlen sie sich fachlich gut betreut. Dies bedeutet für jede einzelne Fachkraft, die mit dieser Familie arbeitet, dass die Motivation zm „Mitmachen“ steigt. Hierdurch erhöht sich im Idealfall der Therapieerfolg.

Letzteres ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Fachkräfte genau wissen, in welchem Kompetenzbereich sie tätig sind. Anstatt parallel oder gar gegeneinander zu arbeiten, verfolgen sie innerhalb ihres Aufgabenfeldes ein ganz bestimmtes Teilziel, um das große Gesamtziel der Betreuung von Familien zu erreichen.

Sie fragen sich nun, wo genau in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) diese beschriebenen Synergieeffekte durch Kooperationen entstehen können? Dann haben wir einen Veranstaltungshinweis für Sie:

Im Herbst 2017 plant das Rostocker Netzwerk Abenteuer Familie einen interdisziplinären Fachtag mit der Verhaltensbiologin Frau Dr. Gabriele Haug-Schnabel. Hier treffen ErzieherInnen, Sozialpädagogen, Hebammen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Fachärzte der Pädiatrie aufeinander. Im gemeinsamen Dialog wird es möglich sein, neue Impulse für die alltägliche Beobachtung im eigenen Fachbereich mitzunehmen. Über www.physio- bastian.de/fachtag erhalten Sie weitere Informationen zum interdisziplinären Fachtag 2017 in der Werkstattschule in Rostock (Nähe Südstadtklinikum).

Quellen:
*In Anlehung an Eibl-Eibesfeldt, I. (1997). Krieg und Frieden: aus der Sicht der Verhaltensforschung (4., erw. Neuausgabe). Piper: München (S. 100ff.).
** Nähere Ausführungen hierzu siehe Medicus, , G. (2012). Was uns Menschen verbindet: Humanethologische Angebote zur Verständigung zwischen Leib- und Seelenwissenschaft. Verlag für Wissenschaft und Bildung: Berlin. (S. 103)

Trackbacks/Pingbacks

  1.  Physiotherapie Rostock | Bobath Konzept: Ein Beispiel lebendiger Kooperation
  2.  Bobath Konzept: Ein Beispiel lebendiger Kooperation // Netzwerk Abenteur Familie

Kommentieren

  • (will not be published)